37. Annaberger Klöppeltage begeistern mit Kreativität und Handwerkskunst

Geschrieben am 22.09.2026
von kontakt


Mehr als 1.300 Gäste erleben ein Wochenende voller filigraner Kunst, neuer Ideen und gelebter Tradition

 

Annaberg-Buchholz, 22. September 2026 – Spätsommerlich warm starteten die 37. Annaberger Klöppeltage am Samstag, bevor am Sonntag bereits ein Hauch von Frühherbst durch Annaberg-Buchholz zog. Mehr als 1.200 Besucherinnen und Besucher kamen am 19. und 20. September ins Kulturzentrum Erzhammer und erlebten ein Wochenende voller Kreativität, Handwerkskunst und Begegnungen rund um die traditionsreiche Kunst des Klöppelns.

Das Erzgebirge zählt mit rund 18.000 aktiven Klöpplerinnen und Klöpplern zu den bedeutendsten Klöppelregionen Deutschlands. Wie lebendig und vielfältig dieses Handwerk heute ist, wurde bei den Annaberger Klöppeltagen erneut eindrucksvoll sichtbar. Die europaweit etablierte Veranstaltung zog Gäste aus ganz Deutschland und Tschechien nach Annaberg-Buchholz. Die am weitest angereiste Klöpplerin kam in diesem Jahr wieder aus Amsterdam. Die Besucherinnen und Besucher durften kunstvolle Spitzenarbeiten aus Garn, Draht und unterschiedlichsten Materialien bestaunen und zugleich erleben, wie diese filigranen Werke direkt vor ihren Augen entstanden.

Bereits am Samstagvormittag füllte sich das Kulturzentrum. Gegen 10 Uhr eröffneten Fachbereichsleiterin für Kultur, Tourismus und Marketing, Nicole Otto, sowie die Leiterin des Kulturzentrums Erzhammer, Kristin Baden-Walther, die Klöppeltage offiziell. Dabei wurde vor allem eines deutlich: Hinter der beeindruckenden Vielfalt der Veranstaltung stehen Menschen mit großer Leidenschaft, außergewöhnlichem Können und viel Liebe zum Detail – die Klöpplerinnen und Klöppler ebenso wie Gestalterinnen, Entwerfer und das Organisationsteam des Erzhammer. Untermalt wurde die Eröffnung von den Musikschülerinnen der Kreismusikschule - Standort Annaberg-Buchholz -  Miriam Thiele, Gloria Mross und Augustine Tittmann, die das Publikum mit ihren Darbietungen an Violine und Akkordeon in ihren Bann zogen.

 

Ein besonderer Höhepunkt war die Verleihung der Goldenen Spitze für das Lebenswerk. Die Auszeichnung ging in diesem Jahr an Steffi Schmat aus Schneeberg. Mit ihrer unverwechselbaren Handschrift und ihrem eigenen Design hat sie die Klöppelkunst geprägt und zahlreiche Klöpplerinnen inspiriert. Zugleich engagiert sie sich in besonderer Weise für die Weitergabe und Vermittlung des Klöppelhandwerks und damit für den Erhalt dieser besonderen erzgebirgischen Tradition.

Im Mittelpunkt des Eröffnungsprogramms stand auch in diesem Jahr der die Prämierung des traditionellen Klöppelwettbewerbs, der unter dem Motto „GRUNDverschieden“ ausgetragen wurde. Der Titel war Programm: Die eingereichten Arbeiten hätten unterschiedlicher kaum sein können. Von klassischen Motiven bis zu modernen, überraschenden Interpretationen reichte das Spektrum. Ob Einzelarbeit oder Gemeinschaftswerk – jedes Stück erzählte auf seine Weise von Kreativität, Können und der Lust, mit traditionellen Techniken neue Wege zu gehen. Für die Jury war die Auswahl deshalb erneut eine besondere Herausforderung.

Die Fachjury mit Steffi Schneider, Steffi Schmat, Ilona Meyer und Regine Alm-Tiepoldt zeichnete folgende Arbeiten aus:

 

Kategorie „Nachwuchsarbeiten Kinder und Jugendliche“

1. Platz: Kinder- und Jugendklöppelgruppe Geyer im Schnitz- und Klöppelverein Thum e. V., Leitung Heike Kluge, mit „Verschiedene Gründe, das Klöppeln zu lernen“

2. Platz: Kinderklöppelgruppen des Erzhammer, Leitung Manuela Fischer, mit „42 x GRUNDverschieden“

3. Platz: Kinderferienklöppeln – Klöppelgruppe Grünhainichen, Leitung Renate Wolf, mit „GRUNDverschieden nach Auffassung der Kinder“

 

Kategorie „Erwachsene Gemeinschaftsarbeiten“

1. Platz: Klöppelgruppe der Musikschule Riesa, Leitung Angelika Krause, mit „Collage GRUNDverschieden“

2. Platz: Klöppelgruppe Werder, eingereicht von Eveline Heße, mit „Kontraste“

3. Platz: Klöpplerinnen Prag, eingereicht von Jana Lavičková, mit „Regenbogen-Windrad“

In der Kategorie „Gemeinschaftsarbeiten – alle Altersgruppen“ ging der Sonderpreis an Sina und Stella Künkel aus Olbernhau für ihre gemeinsame Arbeit „Die Entstehung des Schmetterlings“.

 

Kategorie „Erwachsene Einzelarbeit“

1. Platz: Karin Rothenstein aus Neukirchen mit „Geometrische Variationen“

2. Platz: Ramona Kriwaczek aus Olbernhau mit „7 Unterschiede am Weltwunder“

3. Platz: Antje Drischmann aus Wittgensdorf mit „Beton-Wald“

 

Auch das Publikum durfte seine Favoriten wählen. In der Kategorie „Publikumsliebling Erwachsene“ wurde die Klöppelgruppe aus Berlin, Friedrichshain für ihre Arbeit ausgezeichnet. Bei den „Publikumslieblingen Nachwuchsarbeiten Kinder und Jugendliche“ überzeugte das Werk „Verschiedene Gründe, das Klöppeln zu lernen“ der Gruppe Kinder- und Jugendklöppelgruppe Geyer im Schnitz- und Klöppelverein Thum e. V., Leitung Heike Kluge.

 

Vielfältige Ausstellungen zeigen die ganze Bandbreite der Klöppelkunst

Einen besonderen Einblick in das Schaffen der diesjährigen Goldenen Spitze Preisträgerin bot die Personalausstellung von Steffi Schmat. Ihre Arbeiten machten eindrucksvoll sichtbar, wie aus traditionellen Techniken eigenständige, zeitgemäße Kunst entstehen kann.

 

Darüber hinaus konnten die Besucher weitere besondere Ausstellungen entdecken. Die Präsentation „Hundertjährige Gebrauchsspitze aus dem Erzgebirge“ gab Einblick in die Privatsammlung von Elke Schmiedgen aus Annaberg-Buchholz. Klöppelmotive auf Postkarten waren in einer Ausstellung aus der Privatsammlung von Dr. Bettina Levin aus Sehma zu sehen. Internationale Akzente setzte die Klöppelgruppe Ostrov aus Tschechien mit der Präsentation „Silbernes Erzgebirge“. Auch die Modenschau „Spielereien in Blau und Weiß“ des Vereins der Kunsthandwerker Prag und die  zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig die Gestaltungsmöglichkeiten der Klöppelkunst sind. Juliane Winter aus Chemnitz zeigte bei ihrer Modenschau auf, wie eigens hergestellte Spitze die persönliche Mode krönt und sich spektakuläre Hingucker kreieren lassen. Stolz präsentierten auch 14 sehr junge Klöpplerinnen aus dem ganze Erzgebirge unter dem Titel „Spot an“ ihre neuesten Arbeiten, z.T. eigene Entwürfe - von der Flechterblüte über den Außerirdischen mit Ufo bis hin zum eigenen Spielbrett war alles vertreten und wurde mit viel Applaus von den Zuschauern belohnt.

 

Ebenso lud das Rahmenprogramm dazu ein, die Welt des Klöppelns nicht nur zu betrachten, sondern selbst zu entdecken. Stadtführungen und der Fachvortrag „Erzgebirgische Spitzen in der Mode“ von Referent Christopher Fust bereicherten das Programm. Beim Kurs „Werkzeugschärfen“ unter Leitung von Volker Krämer, Leiter der Schnitzschule, konnten Interessierte praktische Kenntnisse erwerben. Eine Modenschau zeigte, wie Klöppelkunst auch in moderner Kleidung und Gestaltung ihren Platz findet. Darüber hinaus standen die Mitgliederversammlung des Sächsisch-Erzgebirgischen Klöppelverbandes e. V. sowie weitere Angebote auf dem Programm.

Auch an den zahlreichen Ausstellungs- und Verkaufsständen herrschte reges Treiben. Mehr als 100 Klöpplerinnen aus dem sächsischen und böhmischen Erzgebirge zeigten an beiden Tagen ihr Können. An 22 Verkaufsständen konnten Besucherinnen und Besucher Klöppelbriefe, Garne und Zubehör entdecken und sich mit allem eindecken, was es für das eigene kreative Arbeiten braucht.

 

Für Unterhaltung sorgte zudem die Fitz-Quiz-Rallye, ein interaktives Rate-Spiel durch das Veranstaltungshaus, bei der unerfahrene Klöpplerinnen und auch Unkundige ihr Wissen unter Beweis stellten konnten.

So gingen zwei abwechslungsreiche Tage zu Ende, die einmal mehr gezeigt haben, wie viel Leben in dieser jahrhundertealten Handwerkskunst steckt. Klöppeln ist in Annaberg-Buchholz längst nicht nur gelebte Tradition, sondern verbindet Generationen, Regionen und Länder miteinander und bietet zugleich Raum für neue Ideen und zeitgemäße Gestaltung.

 

Das Kulturzentrum Erzhammer bedankt sich bei allen Klöpplerinnen und Klöpplern, Ausstellenden, Mitwirkenden, Gästen und Unterstützern, die zum Gelingen der 37. Annaberger Klöppeltage beigetragen haben. Und der Blick geht bereits nach vorn: Das Thema des nächsten Jahreswettbewerbs wurde zum Abschluss der Klöppeltage bekannt gegeben und lautet „Gespiegelt!“.